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Cetuximab

Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Dickdarm-, Bauchspeicheldrüsenkarzinomen und HNO-Tumoren:

Durch die Zulassung der monoklonalen Antikörper Cetuximab, Panitumumab und Bevacizumab in der Behandlung von Dickdarmkarzinomen haben sich Therapiemöglichkeiten dieser Erkrankung entscheidend verbessert. Nun wird der Antikörper Cetuximab auch für die Behandlung von fortgeschrittenen HNO-Tumoren registriert und in der Therapie des Bauchspeicheldrüsenkrebs steht mit dem Tyrosinkinasenhemmer Erlotinib ein neues Medikament in Tablettenform zur Verfügung.

Erbitux
?: Erbitux (Cetuximab) ist ein monoklonaler Antikörper. Monoklonale Antikörper sind Substanzen, die vom Immunsystem gebildet werden, um den Körper z.B. vor Infektionen mit Bakterien oder Viren zu schützen.
Cetuximab (Erbitux) richtet sich aber nicht gegen Bakterien oder Viren, sondern gegen Strukturen, wie sie auf der Oberfläche der Krebszellen in Ihrem Körper gehäuft vorkommen. Bei diesen Strukturen handelt es sich um sogenannte Rezeptoren, die Signale von Botenstoffen aus der Umgebung wahrnehmen. Die Botenstoffe sind in diesem Fall Wachstumsfaktoren (EGF= epidermal growth factors), welche die Vermehrung und das Wachstum von Zellen begünstigen. Der Mechanismus hierbei ist wie bei einem Schlüssel-Schloss-Prinzip: der Rezeptor auf der Krebszelle funktioniert dabei wie ein Schloss, in das der Botenstoff wie ein Schlüssel hineinpasst. Setzt sich also ein solcher Wachstumsfaktor an einen Rezeptor, werden in der Zelle Prozesse aktiviert, die zur Vermehrung der Zelle führen. EGF-Rezeptoren befinden sich in großer Zahl an der Oberfläche von Tumorzellen und sind am Wachstum und der Ausbreitung des Tumors beteiligt. Die Bildung von EGF-Rezeptoren gilt als negativer Prognosefaktor bei Patienten mit Darmkrebs. Bei bis zu zwei Dritteln der Betroffenen sind die EGF-Rezeptoren überexprimiert.
Cetuximab, richtet sich gegen die oben beschriebenen Rezeptoren an der Oberfläche der Krebszellen. Der mit Cetuximab (Erbitux) besetzte Rezeptor kann die Wachstumsfaktoren nicht mehr erkennen, wodurch die Prozesse zur Vermehrung der Krebszellen nicht aktiviert werden können. Der Antikörper ist für die Behandlung des fortgeschrittenen Dickdarmkarzinoms zugelassen, wenn die Tumorzellen keine sogenannte "KRAS-Mutation" aufweisen. Die KRAS-Mutation ist eine Veränderung in der Krebszelle, die obligat vor einer Behandlung mit dem Antikörper vom Pathologen ausgeschlossen werden muss.

Cetuximab ist auch für die Behandlung von fortgeschrittenen HNO-Tumoren zugelassen, wobei der Antikörper entweder in Kombination mit einer Chemotherapie oder parallel zu einer Strahlentherapie eingesetzt werden kann.

Cetuximab ist das erste Medikament seit über 30 Jahren, welches zu einer Überlebensverlägerung im Vergleich zur bisherigen Standardtherapie geführt hat. Cetuximab wird einmal pro Woche intravenös als Infusion über etwa eine Stunde entweder alleine oder in Kombination mit Chemotherapie verabreicht. In einer rezenten Studie konnte gezeigt werden, dass Cetuximab auch im Abstand von 2 Wochen (in der doppelten Wochendosis) ohne negativen Einfluss auf die Wirksamkeit oder Verträglichkeit gegeben werden kann. Cetuximab kann auch eine Resistenz gegen Chemotherapie durchbrechen, d.h. wenn die Erkrankung trotz Chemotherapie fortschreitet, kann die Kombination des Antikörpers mit Irinotecan zu einer Krankheitsstabilsierung oder auch zu einer Tumorverkleinerung führen. Dies trifft auch für jene Patienten zu, in welchen während einer Behandlung mit Irinotecan eine Zunahme der Tumorgröße zu beobachten war.

Cetuximab wird im allgemeinen sehr gut toleriert; die in den Studien beobachteten Nebenwirkungen waren in der Regel auf das gleichzeitig verabreichte Chemotherapeutikum Irinotecan zurückzuführen. Neben einer möglichen allergischen Reaktion, die -wie bei vielen Antikörper-Infusionen- sehr selten auch dramatisch verlaufen kann und nur während der Infusionsdauer auftritt, sind vor allem akneforme Hautreaktionen beschrieben worden. Diese Hauterscheinungen waren in bislang allen Studien mit einem sehr guten Therapieansprechen verbunden und nehmen im Laufe der Behandlung mit Cetuximab wieder ab.

Vectibix
?: Der Antikörper Panitumumab (Vectibix) ist für die Behandlung des fortgeschrittenen Dickdarmkarzinoms zugelassen, wenn die Tumorzellen keine sogenannte "KRAS-Mutation" aufweisen. Die KRAS-Mutation ist eine Veränderung in der Krebszelle, die obligat vor einer Behandlung mit dem Antikörper vom Pathologen ausgeschlossen werden muss.

Avastin
?: Ausgangspunkt für die Entwicklung von Avastin? (Bevacizumab) war die Erkenntnis, dass ein Tumor nur überleben kann, wenn er mit Blutgefäßen versorgt wird. Andernfalls könnte ein Tumor nicht größer werden als ein Stecknadelkopf. Um den lebensnotwendigen Anschluss an das Blutgefäßsystem zu schaffen, haben Tumorzellen eine listige Taktik entwickelt. Sie bilden eine Substanz namens VEGF (vascular endothelial growth factor), die zur Aussprossung von Blutgefäßen führt und für die Funktion schon bestehender Tumorgefäße ebenfalls Bedeutung hat. Bevacizumab bindet nun VEGF und verhindert so, dass dieser Wachstumsfaktor an den Blutgefäßen bzw. den aussprossenden Vorläuferzellen andockt. Der Tumor wird nicht vaskularisiert (mit neuen Blutgefäßen versorgt) und bereits entwickelte Gefäße bilden sich zurück - Tumorwachstum und Metastasierung werden so gehemmt.

In klinischen Studien mit PatientInnen mit fortgeschrittenem Dickdarmkrebs wurde geprüft, ob durch zusätzliche Gabe von Bevacizumab zur Chemotherapie die Behandlungserfolge verbessert werden können. Die Ergebnisse dieser Studien waren beeindruckend. Denn im Vergleich zur alleinigen Chemotherapie wurde unter der Kombination mit Bevacizumab nicht nur eine höhere Ansprechrate erzielt (d.h. mehr Patienten zeigten eine Rückbildung des Tumors), sondern auch eine signifikante Überlebensverlängerung.

Bevacizumab ist für die Behandlung von Patienten mit palliativ unbehandeltem Dickdarmkarzinom in Kombination mit Chemotherapie zugelassen. Die Verabreichung/Dosierung dieses Antikörpers, welcher intravenös über etwa eine Stunde verabreicht wird, richtet sich nach der parallel verabreichten Chemotherapie (5mg/kg alle 2 Wochen oder 7,5 mg/kg alle 3 Wochen). Bevacizumab wird im allgemeinen sehr gut toleriert und führt zu keiner Verstärkung der Chemotherapie-bedingten Nebenwirkungen. Häufig wird ein -in der Regel auf die Dauer der Behandlung begrenzter- Bluthochdruck beobachtet, welcher jedoch gut mit entsprechenden Medikamenten beherrschbar ist. Nachdem VEGF auch in der Wundheilung eine wichtige Rolle spielt, muss die Behandlung mit Bevacizumab 4 Wochen vor einer geplanten Operation beendet werden bzw. sollte der Antikörper frühestens 4 Wochen postoperativ (nach der Operation) verabreicht werden. In etwa 1% aller Patienten kam es zu arteriellen Thrombosen (Schlaganfall, Herzinfarkt) oder zu Perforationen (Durchbruch) im Magen- oder Darmbereich. Bevacizumab sollte daher bei aktiver Entzündung im Magen-Darmbereich (zB: Magengeschwür) nicht verabreicht werden. Bevacizumab ist auch für die Behandlung anderer Tumorerkrankungen wie Lungen-, Brust-Nierenzellkarzinoms und Hirntumoren zugelassen.

Tarceva
? (Erlotinib) ist ein sogenanntes ?kleines" Molekül, das auf den humanen epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptor gerichtet ist und bei der Entstehung und dem Wachstum zahlreicher Krebsarten eine wichtige Rolle spielt. Im Gegensatz zum monoklonalen Antikörper Cetuximab blockiert Erlotinib die Signalübertragung innerhalb der Zelle, was zu einer Hemmung des Tumorzellwachstums führen kann. Erlotinib ist bereits für die Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkarzinoms zugelassen.

Nun wurden die Ergebnisse einer internationalen Studie zur Behandlung des Bauchspeicheldrüsen-karzinoms -mit Tarceva in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Gemcitabine- veröffentlicht. Die Studie ergab für Erlotinin plus Gemcitabine im Vergleich zu Placebo plus Gemcitabine eine statistisch signifikante Verbesserung der Gesamtüberlebenszeit von 23,5% bei Patienten mit lokal fortgeschrittenem oder metastasierendem Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Erlotinib wird in Tablettenform (einmal täglich 100mg) eingenommen und wird gut toleriert. Die häufigste Nebenwirkung stellt eine akneforme Hautreaktionen dar, welche in der Regel mit guten Therapieansprechen verbunden ist und im Laufe der Behandlung mit Tarceva wieder abnimmt. Seltener wird auch Durchfall beobachtet.

Da jede Tumorerkrankung einen individuell unterschiedlichen Krankheitsverlauf hat und da in vielen Fällen auch verschiedene Möglichkeiten in Bezug auf die Diagnostik und speziell die Therapie bestehen, ersuchen wir um Verständnis, dass wir Ihnen hier nur sehr allgemeine Informationen anbieten können. Unser Team steht Ihnen jedoch für ein persönliches Gespräch, Beratungen, oder z.B. eine ?Second Opinion" jederzeit gerne zur Verfügung.

Bitte zögern Sie nicht uns im AKH Wien unter der e-mail Adresse [javascript protected email address] bzw. [javascript protected email address] oder aber telefonisch unter der Rufnummer (01) 40400-5462 zu kontaktieren. Für ausführlichere Konsultationen stehen wir Ihnen auch in unseren Privatordinationen zur Verfügung:


Univ.Prof.Dr.Werner Scheithauer
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Tel: (01) 408.78.98
Univ.Prof.Dr.Gabriela V.Kornek
Krottenbachstrasse 68/16
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Tel: 43-664-4325525